Thalia Geschichten:
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30.000 m² Grünfläche, 250 m bepflanzte Fassade und gezielter Artenschutz: Auf dem ehemaligen Zechengelände „gate.ruhr“ beweist Thalia, dass sich Hightech-Logistik und ökologische Verantwortung nicht ausschließen.
Wer an Marl denkt, denkt an Chemie, Industrie und Bergbau. Über ein Jahrhundert lang prägte die Zeche Auguste Victoria das Gelände von gate.ruhr. Wo früher Steinkohle gefördert wurde, entsteht heute der neue, hochmoderne Thalia Omni-Channel-Hub. Doch wer glaubt, hier würde lediglich eine gigantische Beton- und Asphaltfläche hochgezogen, der irrt.
Thalia zeigt in Marl, dass sich Hightech-Logistik und gelebter Naturschutz nicht ausschließen. Auf dem fast 100.000 m² großen Areal werden knapp 30.000 m² – das entspricht mehr als vier Fußballfeldern – in hochspezialisierte, ökologische Lebensräume verwandelt. Dazu zählen spezielle Mager- und Sandrasen für seltene Insekten, 250 m bepflanzte Fassaden, Fledermauskästen und eine eigene kleine Streuobstwiese. Wir haben mit Julian Freimuth, dem technischen Leiter am Standort Marl, darüber gesprochen, warum ein Logistikzentrum manchmal auch ein kleines Naturschutzgebiet sein muss.
Julian Freimuth
Technischer Leiter am Standort Marl
Das ist tatsächlich ein toller Kontrast und zeigt den Strukturwandel im Ruhrgebiet in seiner besten Form. Wir versiegeln hier nicht eine grüne Wiese, sondern geben einer ehemaligen Industriefläche ein Stück Natur zurück. Für uns war klar: Wenn hier ein Logistik-Hub dieser Größenordnung entsteht, tragen wir auch Verantwortung für den Standort. Wir wollen zeigen, dass moderne Logistik heute konkret anders funktionieren kann – mit messbaren Maßnahmen wie 30.000 m² Ausgleichsfläche und zertifiziertem Regiosaatgut.
Pflicht war: Ausgleichsflächen schaffen. Ihr habt daraus spezialisierte Biotope gemacht – mit Regiosaatgut, Mager- und Sandrasen und über 800 Sträuchern. Warum dieser Aufwand?
Weil ein normaler „Zierrasen‘ ökologisch fast wertlos ist. Wir hatten bei der Planung die Situation, dass wir aus Gründen der Betriebssicherheit das Gelände nicht komplett mit einer dichten Hecke einfrieden konnten. Als Ausgleich dafür haben wir gesagt: Lasst uns doch die Fläche aufwerten und der Natur etwas zurückgeben. Mager- und Sandrasen sind für die heimische Insektenwelt, besonders für Wildbienen, absolute Premium-Lebensräume. Wir haben uns hier bewusst Fachleute an Bord geholt, um Biotope zu schaffen, die hier am Standort einen wirklichen Unterschied machen.
Es gibt auch konkrete Maßnahmen für die Tierwelt: fünf Nistkästen für Vögel und sechs spezielle Fledermauskästen. Marl liegt landschaftlich spannend am Übergang ins Münsterland. Auf welche tierischen „Nachbarn“ können wir uns hier auf dem Gelände freuen?
Das Gelände bietet durch die verschiedenen Zonen ein riesiges Potenzial. Ehemalige Industrieflächen sind oft wichtige Rückzugsorte für spezialisierte Arten. Durch unsere Wildblumenwiesen und die vielen Sträucher locken wir Vögel wie den Stieglitz oder den Bluthänfling an, die auf Samen und Insekten angewiesen sind. Der Hausrotschwanz ist ein typischer Bewohner solcher Areale, der unsere hohen Gebäude und die offenen Sandrasen lieben wird. Mit den Nistkästen bieten wir Höhlenbrütern wie Meisen oder Staren ein Zuhause, und über die offenen Wiesen wird vielleicht auch mal ein Turmfalke jagen. Besonders schön ist auch die Ansiedlung von Fledermäusen, wie etwa der Zwergfledermaus, die in der Dämmerung über unseren Feuchtwiesen auf Insektenjagd gehen wird. Wir bauen hier ein vielfältiges Biotopnetz auf, das heimischen Arten Lebensräume bietet.
Eine Logistikhalle ist in erster Linie ein funktionales Gebäude. Trotzdem begrünen wir fast 250 laufende Meter der Fassade und über 1.000 m² Dachfläche. Welchen Effekt erhoffst du dir davon – über die Optik hinaus?
Wenn du dir vorstellst, dass der Hub in ein paar Jahren im Vollbetrieb ist, die Pflanzen angewachsen sind und die Insektenhotels bezogen sind: Was ist dein persönliches Highlight an den Außenanlagen, auf das du dich am meisten freust?
Ich freue mich am meisten auf den Moment, wenn das Ganze anfängt zu leben. Wenn man sieht, dass die Wildblumenwiesen blühen, die Vögel die Nistkästen annehmen und die begrünte Fassade richtig dicht wird. Als technischer Leiter habe ich viel mit Maschinen, Stahl und Beton zu tun. Zu sehen, dass wir hier eine Umgebung geschaffen haben, in der Hightech-Prozesse im Inneren reibungslos laufen und draußen die Natur buchstäblich aufblüht – das ist ein schöner Ausblick.