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Ein Blick hinter die Kulissen: Hörbücher bei Thalia

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Hörbücher sind ein eigenständiges Medium, das Geschichten durch Stimme, Rhythmus und Atmosphäre neu erfahrbar macht. Ob unterwegs, beim Sport oder in ruhigen Momenten zu Hause: Millionen Menschen tauchen täglich in Hörwelten ein − dabei entscheidet oft eine einzige Stimme darüber, ob Figuren und Geschichten lebendig werden. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie viel kreatives Gespür, strategisches Denken und handwerkliche Präzision nötig sind, um Geschichten „hörbar“ zu machen.

Der Schauspieler und Sprecher Peter Lontzek spricht aktuell für Thalia das Hörbuch „Mit Schirm, Schaf und Patrone“ aus der Cosy Crime-Reihe von Kirsten Hader ein. Grund genug, ihn zu fragen, warum er Hörbücher gerne einliest und was ihn daran fasziniert.

Foto © Sven Hasper

Dr. Barbara Landsteiner
Senior Manager Digital Publishing bei Thalia

„Geschichten hörbar machen“

Dr. Barbara Landsteiner, Senior Manager Digital Publishing bei Thalia, über Dramaturgie fürs Ohr, strategische Freiheit – und die Magie einer Stimme.

Barbara, seit drei Jahren verantwortest du die Hörbuchproduktionen bei Thalia. Wie hat sich der Bereich in dieser Zeit entwickelt?
Wir haben unser exklusives Portfolio deutlich erweitert – durch starke Lizenzpartnerschaften, aber auch durch den gezielten Aufbau unserer „Thalia Originals“. Mir war von Anfang an wichtig, Audio nicht als Nebenformat des Buches zu verstehen. Ich komme aus der Entwicklung von Audiostoffen und habe früh gelernt: Ein Hörbuch folgt eigenen Gesetzen. Es braucht Rhythmus, Verdichtung, manchmal auch Mut zur Klarheit. In den vergangenen Jahren konnten wir Audio strategisch als eigenständiges Medium positionieren – mit einem kuratierten Programm und einer klareren inhaltlichen Handschrift.
Was begeistert dich persönlich an dieser Aufgabe?

Mich fasziniert die Verbindung aus Intuition und Strategie. Es geht darum, den richtigen Stoff für eine bestimmte Hörerschaft zu identifizieren – und dabei sehr genau hinzuhören: Funktioniert der Text akustisch? Trägt er über mehrere Stunden? Ein Hörbuch bewegt sich idealerweise zwischen literarischer Substanz und starkem Unterhaltungswert. Beim Hören entstehen Bilder im Kopf – aber anders als beim Lesen. Diese besondere Form der Nähe zwischen Stimme und Publikum finde ich bis heute beeindruckend.

Am meisten begeistert mich die Entwicklung unserer „Originals“. Hier können wir Dramaturgie, Spannungsbögen und Figurenführung konsequent vom Hörerlebnis her denken. Wo braucht es einen Cliffhanger? Wann darf ein Moment länger nachhallen? Das ist kreatives Arbeiten – aber immer mit strategischem Bewusstsein.

Wie entsteht bei Thalia ein Hörbuch?

Am Anfang steht das Manuskript. Bei Lizenzproduktionen erwerben wir die Hörbuchrechte von Verlagspartnern und prüfen sehr genau, ob ein Titel audiotauglich ist. Nicht jeder Text, der im Print hervorragend funktioniert, trägt automatisch im Audioformat.

Steht der Stoff fest, geht er an ein Partnerstudio in Köln oder Berlin. Parallel planen wir den optimalen Erscheinungstermin – bei Frontlist-Titeln möglichst synchron mit der Buchveröffentlichung. Ein zentraler Moment ist das Casting. Die Stimme ist kein Detail, sie ist das Herzstück. Ich erhalte Vorschläge, bringe eigene Impulse ein – und gemeinsam mit dem Studio treffen wir die finale Entscheidung.

Nach Aufnahme, Schnitt und Qualitätskontrolle verantworten wir auch die visuelle Gestaltung. Ein Hörbuchcover muss selbst in kleinster Smartphone-Ansicht funktionieren und sofort eine Atmosphäre vermitteln. Erst wenn alles stimmig ist, geht der Titel in die digitale Distribution. 

Thalia setzt verstärkt auf „Audio first“. Warum?

Weil wir Inhalte dadurch freier und langfristiger entwickeln können. „Audio first“ bedeutet, von Beginn an für das Hören zu konzipieren – mit einem klaren Blick auf Zielgruppe und Nutzungssituation. Gleichzeitig denken wir formatübergreifend: Viele unserer Originals erscheinen ergänzend als E-Book, perspektivisch auch im Print.

So entsteht im besten Fall nicht nur ein einzelner Titel, sondern eine ausbaufähige IP. Diese strategische Unabhängigkeit im Content-Aufbau ist für uns ein wichtiger Schritt. 

Wer hört heute Hörbücher? 

Die Hörbuchnutzenden sind erstaunlich vielfältig. Es gibt Gelegenheitskundinnen und -kunden, die gezielt einzelne Titel kaufen, regelmäßig Hörende im Abo – und eine jüngere, sehr aktive Zielgruppe, die zunehmend auf unsere Hör-Flat setzt. Gehört wird beim Pendeln, beim Sport, bei der Hausarbeit oder ganz bewusst abends auf dem Sofa.

Spannend finde ich, dass viele Hörbuch-User zugleich Lesende sind. Sie wechseln je nach Lebenssituation das Format, bleiben aber der Geschichte treu. Genau hier liegt unsere Stärke: Wir können Inhalte als Buch, E-Book oder Hörbuch anbieten – und damit unterschiedliche Bedürfnisse entlang derselben Story bedienen.

Was macht eine wirklich gute Hörbuchstimme aus? 

Eine gute Stimme stellt sich in den Dienst der Geschichte. Sie schafft Nähe, transportiert Emotion und Atmosphäre – ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Stimmfarbe, Rhythmus, Tempo und Genreverständnis müssen mit dem Text harmonieren. Bestimmte Sprecherinnen und Sprecher sind mit klaren Genres verbunden, und diese Erwartungshaltung berücksichtigen wir bewusst.

Wenn am Ende Bilder im Kopf entstehen und man fast vergisst, dass man „nur“ zuhört, dann hat die Stimme ihre Aufgabe erfüllt.

Welche Herausforderungen prägen die Branche derzeit?

Die enorme Content-Dichte und der Wettbewerb um Sichtbarkeit. Gleichzeitig steigen die Qualitätsansprüche. Streaming hat Audio skalierbar und datengetrieben gemacht. Serielle Logiken, Wiedererkennbarkeit und klare Zielgruppenansprache gewinnen an Bedeutung. Erfolg entsteht heute aus der Verbindung von kreativer Exzellenz und kluger Distribution. 
Welche Trends beobachtest du? 
Serielle Formate, immersive Erlebnisse und starke Female-Driven-Stoffe entwickeln sich besonders dynamisch. Zugleich differenzieren sich Genres immer weiter aus – Subgenres mit sehr loyalen Communities entstehen. Ich glaube fest daran: Viele Nischen ergeben am Ende einen Mainstream. Wer diese Nischen versteht und ernst nimmt, schafft nachhaltiges Wachstum.
Auf welche Produktion blickst du mit besonders viel Freude?

Auf unser erstes Thalia Original „Verbrechen to go“. Die Cosy Crime-Reihe habe ich gemeinsam mit einer externen Lektorin konzipiert und von Anfang an als eigenständige Audio-IP aufgebaut. Originals bedeuten ein höheres Invest – umso mehr freut mich, wie dynamisch sich die Reihe entwickelt hat.
Inzwischen sind acht Bände erschienen, weitere in Vorbereitung. Es gibt eine gebündelte Taschenbuchausgabe, eine englische Übersetzung steht kurz vor dem Launch. Für mich zeigt dieses Projekt exemplarisch, wie aus einer Audio-Idee eine formatübergreifende Marke entstehen kann.

Hörbücher bei Thalia: Geschichten, die bleiben

Hörbücher sind ein zentraler Bestandteil des digitalen Angebots von Thalia. Der Fokus liegt dabei auf qualitativ hochwertigen Produktionen und innovativen Formaten – von spannenden Serien bis hin zu atmosphärisch dichten Einzelwerken.

Zahlen & Fakten auf einen Blick

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